Maeklong-Bahnmarkt (Talat Rom Hup) – Provinz Samut Songkhram.
📍 Extremes Einkaufen auf den Gleisen! Maeklong Railway Market,
Maeklong Railway Market: Ein Markt auf den Gleisen und die Geschichte der unglaublichen thailändischen Hartnäckigkeit
Als wir dachten, Bangkok und Pattaya hätten uns bereits alle möglichen visuellen und sinnlichen Extreme geboten, fuhren wir nach Westen in die Provinz Samut Songkhram. Was wir dort erlebt haben, hat unseren Begriff von „extremem Einkaufen“ neu definiert. Der Maeklong Railway Market ist nicht einfach nur ein Markt, der irgendwo neben den Gleisen liegt – es ist ein Markt, der diese Gleise verschlungen, verdaut und zu seinem natürlichen Ökosystem erklärt hat.
Was war zuerst da: das Ei, das Huhn oder der Zug? (Ein bisschen Geschichte)
Bevor wir euch erzählen, wie dieses Stahlmonster uns fast die Schuhe weggefressen hätte, müssen wir erwähnen, warum dieser Ort überhaupt in einer so absurden Form existiert. Stellt euch vor, dieser Markt gab es hier bereits im 19. Jahrhundert! Es war ein riesiger und lebhafter Marktplatz, auf dem die Anwohner hauptsächlich Fisch und Meeresfrüchte aus dem nahegelegenen Golf von Thailand verkauften. Das änderte sich im Jahr 1905, als die damaligen Behörden beschlossen, eine Eisenbahnlinie (die Maeklong-Bahn) zu bauen, um den frischen Fang schneller in die Hauptstadt transportieren zu können.
Das Problem war, dass die Ingenieure die Gleise genau mitten durch den laufenden Markt verlegten. Die Behörden gingen wohl davon aus, dass die Händler einfach ihre Zelte abbrechen, ihre Sachen zusammenpacken und sich brav an einen anderen Ort begeben würden. Aber in Thailand werden solche Angelegenheiten anders gelöst! Die Verkäufer sagten offenbar: „Aha, ihr habt uns hier Gleise gebaut? Kein Problem, dann müssen wir unsere Körbe eben mehrmals am Tag um 15 Zentimeter verschieben.“ Und genau das taten sie! Sie gaben keinen Millimeter nach, und ihre Hartnäckigkeit führte zur Entstehung eines der einzigartigsten Orte der Welt. Seit über hundert Jahren führen sie diesen täglichen, perfekt abgestimmten Kampf um Platz mit den Zügen.
Adrenalin, Fischgeruch und unsere Begegnung mit einer Lokomotive
Unsere ersten Eindrücke beim Betreten des Marktes? Extreme Klaustrophobie, gemischt mit totaler Faszination. Wenn man dort spaziert, läuft man buchstäblich auf hölzernen Eisenbahnschwellen. Der Raum ist so eng, dass die Sonne kaum durch das Dickicht der tief hängenden Stoffüberdachungen dringt. In der Luft schwebt ein dichter, von Feuchtigkeit schwerer Geruch nach rohem Fisch, frischen Kräutern, reifer Durian und scharfem Chili. Du gehst vorsichtig weiter, nimmst dieses ganz eigene asiatische Treiben in dich auf, der Schweiß läuft dir den Rücken hinunter, bis plötzlich aus der Ferne das ohrenbetäubende Heulen einer Sirene ertönt.
Was danach passiert, ist pure Straßenmagie. Uns überkam eine leichte Panik – wir schauten uns nervös um, wohin wir flüchten könnten, denn schließlich sind Gleise nicht der beste Ort für Spaziergänge, wenn sich eine tonnenschwere Maschine nähert! Unterdessen begannen die thailändischen Verkäufer mit den Mienen völlig gelangweilter Pokerspieler langsam, von ihren Hockern aufzustehen. Das Ballett beginnt. Im Bruchteil einer Sekunde ziehen sie wie synchronisierte Roboter an versteckten Schnüren, klappen ihre riesigen Sonnenschirme zusammen (daher der lokale Name „Talat Rom Hup“, also „Markt der zusammenklappbaren Sonnenschirme“) und schieben die Körbe fehlerfrei beiseite. Und was noch besser ist: Sie legen das Gemüse absichtlich so flach aus, dass es perfekt unter die Räder der Waggons passt und nicht zerquetscht wird!
Und dann fährt ER ein. Der Zug. Wir drängen uns zwischen die Stände, ziehen den Bauch ein, verstecken unsere Kameras und halten den Atem an. Die Maschine fährt buchstäblich millimeterweit an unseren Nasen vorbei. Man spürt die Hitze, die vom heißen Motor ausgeht, die Vibrationen des Bodens, hört das Knirschen von Eisen und spürt den Windhauch im Gesicht. Man möchte sich in den Arm kneifen, um zu prüfen, ob das alles wirklich passiert oder ob man gerade in einem verrückten Actionfilm mitspielt.
Der letzte Wagen verschwindet gerade noch aus unserem Blickfeld, da springen die Überdachungen sofort, als würden sie von unsichtbaren Federn getragen, wieder in ihre Ausgangsposition zurück. Die Körbe landen wieder auf den Schienen, und der Verkäufer direkt neben uns macht sich wieder daran, Obst zu schälen, als wäre nicht gerade vor einer Sekunde ein gewaltiges Stahlmonster hier vorbeigerollt. Wie lange dauerte die Evakuierung und die Rückkehr zur Normalität? Etwa ein Dutzend Sekunden. Wir haben noch eine gute Stunde lang unsere Kinnladen von den Gleisen aufgesammelt. Dieses verrückte Erlebnis lässt sich einfach nicht nachstellen!
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