Gold, Dämonen und königlicher Prunk. Wat Phra Kaew haut einen total um!
📍 Der Große Königspalast und der Tempel des Smaragd-Buddhas (Wat Phra Kaew), Bangkok, Thailand
Gold, Dämonen und britische Kanonen. Wie uns der Große Palast in Bangkok völlig umgehauen hat!
Habt ihr jemals gedacht, dass europäische Paläste vor Luxus nur so strotzen? Dass Versailles der Gipfel der Pracht ist? Das dachte ich auch. Und dann überschritten Kamila und ich diese ikonische, mächtige, schneeweiße Mauer in Bangkok, und unsere Weltanschauung zerbrach in tausend glitzernde, goldene Stückchen. Der Eintritt in das Gelände des Großen Palasts und des Tempels des Smaragd-Buddhas (Wat Phra Kaew) ist wie ein Zusammenprall mit einer Wand aus reinem Edelmetall. Dieser Komplex haut euch buchstäblich um, zerkaut eure Vorstellung von Architektur und spuckt sie wieder aus, sodass euch die Kinnlade bis auf den Boden fällt. Das ist der absolute, ultimative „Flex“ der ehemaligen Könige von Siam!
Türsteher, mit denen man nicht diskutiert
Wir fangen mit den Wächtern an, denn hier ist kein Platz für gewöhnliche Sicherheitsleute in Anzügen. Den Zugang zum Heiligtum verteidigen riesige, mehrere Meter hohe Dämonen – die sogenannten Yakshas. Als ich mich neben einen von ihnen stellte, um ein Foto zu machen, kam ich mir vor wie ein Gartenzwerg. Sie stehen dort mit verzerrten Gesichtern, die Reißzähne entblößt, und halten mit beiden Händen Schwerter von der Größe eines Kleinwagens. Man sieht so einen an und weiß sofort, dass man mit thailändischen Legenden nicht spaßen sollte. Mehr noch: Diese mächtigen Wesen stehen nicht nur Wache – an einer Stelle trägt eine ganze Armee aus bunten Dämonen und affenartigen Kriegern aus dem Epos „Ramakien“ buchstäblich eine gewaltige, vor Gold nur so triefende Stupa auf ihren Schultern! Das sieht aus wie eine epische Szene aus dem teuersten Fantasy-Film der Filmgeschichte.
König des Goldes, hier glänzt buchstäblich alles!
Dieser Komplex ist ein absoluter „Horror vacui“ (Angst vor der Leere) in seiner schönsten Form. Man reckt den Kopf in die Höhe, um von all dem glänzenden Gold eine Verschnaufpause zu nehmen, und was sieht man dort? Selbst eine gewöhnliche Laterne entpuppt sich als kunstvoll geschnitzter, mythischer goldener Vogel (Hongsa), der in seinem Schnabel stolz eine leuchtende Kugel vor dem Hintergrund des blauen Himmels hält. Die Details im Wat Phra Kaew brennen sich regelrecht ins Netzhaut ein – jedes Mosaik, jedes Glasstück und jeder Quadratzentimeter schreit: „Schau mich an, ich bin ein Meisterwerk und habe ein Vermögen gekostet!“
Britische Kanonen und europäische Salons unter thailändischem Dach
Damit nicht der Eindruck entsteht, es handele sich nur um märchenhafte Ungeheuer und mythische Vögel: Der Komplex des Großen Palasts ist auch greifbare Geschichte harter Politik und Diplomatie. Wir gehen weiter, und da plötzlich … eine Ausstellung schwerer, historischer Kanonen. Man tritt näher heran, liest die Tafel und stellt fest: Das sind originale britische Carronaden! Siam wusste, wie man sich bewaffnet und mit wem man Geschäfte macht.
Und dann stehst du vor der Chakri Maha Prasat Hall. Einem Gebäude, das dem Gehirn einen architektonischen Kurzschluss beschert. Er wurde unter der Herrschaft von König Rama V. erbaut (dessen stolzes Porträt die Fassade ziert) und verbindet im unteren Teil strenge europäische Renaissance mit traditionellen, spitzen, goldverzierten thailändischen Dächern im oberen Teil. Als hätte jemand einen klassischen Londoner Palast genommen und ihm die prächtigste asiatische Krone aufgesetzt. Das Ergebnis? Phänomenal.
Dunkle Seelen, des Goldes beraubt
Doch der Große Palast ist nicht nur eine Fassade, die in der 35-Grad-Sonne glänzt. Als wir die Palastmuseen betraten, stießen wir auf eine raue, greifbare Geschichte, die meine Fantasie stark beflügelte. Wenn ich tagtäglich meine düsteren Thriller schreibe, suche ich oft Inspiration in seltsamen, leicht beunruhigenden Dingen. Und ich muss zugeben, dass diese alten, vom Zahn der Zeit angegriffenen Holzfiguren von Dämonen, die in Vitrinen eingeschlossen sind und ihren früheren Glanz verloren haben, eine unheimliche, bedrückende Atmosphäre ausstrahlen. Wenn man vor einer solchen, abgeblätterten Skulptur steht, wird einem die wahre Bedeutung dieses Ortes bewusst. Das ist nicht nur ein glitzernder Vergnügungspark für Touristen mit Kameras. Das ist das Herz der Nation, in dem seit Jahrhunderten der mystische, uralte Rhythmus Thailands schlägt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Dieser Ort ist eine Achterbahnfahrt. Man beginnt mit einem Schock, durchlebt dann totale Begeisterung und verlässt ihn schließlich mit dem Gefühl, gerade eine andere Dichte der Materie berührt zu haben. Wir kehrten völlig überreizt, aber unglaublich glücklich ins Hotel zurück!
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