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Die dichte Dunkelheit der Grotta Su Marmuri – spüre die Kraft der Natur hautnah.

📍 Grotta Su Marmuri

Glaubst du, Sardinien bestehe nur aus azurblauen Küsten, sengender Sonne und dem Duft der sonnengewärmten Macchia? Das dachten wir auch, bis uns unsere Route in die Gegend von Ulassai führte. Nur wenige Dutzend Minuten Fahrt von den sonnenverbrannten Tälern entfernt verbergen die Berge ein Geheimnis, das einem buchstäblich das Blut in den Adern gefrieren lässt – und das ist keineswegs eine Metapher. Wir hatten bereits verschiedene Orte auf dieser Insel erkundet, aber der Abstieg zur Grotta Su Marmuri war, als würden wir die Grenze zu einer anderen Dimension überschreiten.

Es beginnt ganz harmlos. Ein offenes, verrostetes Tor in einem alten Steinbogen lädt zum Wandern ein. Die Sonne brennt noch immer, und man geht in lockerer Sommerkleidung vorwärts, ohne etwas zu ahnen. Doch plötzlich wird die Luft dichter. Mit jedem Schritt in Richtung des Eingangs trifft dich eine unnatürliche, tiefe Kälte, als würde der Berg die Kälte direkt aus den Tiefen der Erde ausatmen.

Von der Dunkelheit verschluckt Wenn du am Rand des Eingangs stehst, ist die Größe dieses Ortes einfach überwältigend. Das ist kein enges Loch im Boden, in das man auf allen vieren hineinkriecht. Es ist das riesige, aufgerissene Maul einer Höhle, zu der eine lange Treppe hinunterführt. Mit jeder Stufe, die man hinabsteigt, bleiben das Grün und das grelle Tageslicht hinter einem zurück, und man taucht in das Halbdunkel ein. Schau dir dieses Foto mit den hinabsteigenden Menschen an – die Silhouetten sehen aus wie winzige Ameisen, die vom Abgrund verschluckt werden. Dieser Anblick löst diesen ganz besonderen Schauer der Aufregung aus, wenn man weiß, dass man gleich etwas absolut Monumentales entdecken wird.

8,5 Grad und die Kraft der Stille Die Informationstafeln vor dem Eingang haben nicht gelogen. Lasermessungen und Sensorwerte zeigen deutlich: Unabhängig davon, ob draußen Hochsommer herrscht, herrscht im Inneren der Grotta Su Marmuri eine konstante, kühle Temperatur von etwa 8,5 °C. Im Kontrast zur sardischen Hitze wirkt das Betreten dieser kühlen Luftmasse wie ein Schock.

Als wir ganz nach unten gestiegen waren und uns auf den markierten Weg begaben, herrschte eine überwältigende Stille. Beim Spaziergang am Grund dieser gewaltigen, mehrere Dutzend Meter tiefen, in den Fels gehauenen Schlucht senkt man unwillkürlich die Stimme zu einem Flüstern. Die hohen, senkrechten Wände verlieren sich irgendwo in der Dunkelheit über den Köpfen. Da bist nur du, die Kühle und das Echo deiner eigenen Schritte, das vom feuchten Gestein widerhallt.

Eine Kunstgalerie, die das Wasser geschaffen hat Je tiefer man vordringt, desto dunkler und faszinierender wird es. Aus der Dunkelheit tauchen Formationen auf, die der Schwerkraft und der menschlichen Logik widersprechen. Hunderttausende Jahre langsamen, methodischen Tropfens haben hier eine unterirdische Kunstgalerie geschaffen.

Auf unserem Weg begegneten wir Felsvorhängen – dünnen, gefalteten Tropfsteinen, die wie aus dem Bild gesprungen wie schwere, theatralische Vorhänge aussehen, die in Bewegungslosigkeit erstarrt sind. Ein Stück weiter tauchte aus der Dunkelheit eine gigantische, massive Säule auf. Hoch aufragend, mit filigranen Verzierungen, die an geschmolzenes Wachs erinnern, verbindet sie den Boden mit dem Gewölbe wie eine Säule, die das gesamte Gewicht des Berges trägt. Man betrachtet das Ganze und begreift, dass dieses Werk Tropfen für Tropfen entstanden ist, als noch prähistorische Ungeheuer die Erde bevölkerten.

Dieser Ort macht durch seine Geheimniskrämerei süchtig. Du folgst dem markierten Pfad und möchtest bei jedem Schritt sehen, was sich hinter der nächsten Felsbiegung verbirgt. Ein Spaziergang durch die Grotta Su Marmuri ist eine Wanderung durch einen Ort, an dem die Zeit in ihrem eigenen, für uns nicht wahrnehmbaren Tempo vergeht.

Als wir schließlich, nach einem langen Marsch in der Dunkelheit, zum Ausgangspunkt zurückkehrten und wieder die heißen Strahlen der sardischen Sonne auf unseren Gesichtern spürten, brauchten wir einen längeren Moment, um aus diesem dunklen Traum zu erwachen. Su Marmuri hinterlässt Spuren im Kopf. Es ist einer dieser Momente auf einer Reise, in denen einem bewusst wird, wie wenig man über die Kraft der Natur weiß, bis man ihr direkt ins Auge blickt.

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